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Abschlussbericht: Welche Bildung brauchen Bildner

(Dezember 2017) Im vergangenen Juni organisierte der SVW seine Jahrestagung zum Thema «Welche Bildung brauchen Bildner?». Im Nachgang zur Tagung ist nun eine Dokumentation erschienen, die die Themen der Tagung auflistet, den Diskussionsverlauf und die Ergebnisse abbildet, und schliesslich eine Interpretation dieser Ergebnisse vornimmt.
Verfasst hat die Dokumentation Bernadette Dilger, Professorin für Wirtschaftspädagogik an der Uni St.Gallen. Dilger war auch als Referentin an der Tagung anwesend.

Hier finden Sie den Bericht «Welche Bildung brauchen Ausbildnerinnen und Ausbildner bzw. Berufsbildner?»

 

 

Ausbildung bei der Polizei: Schiessen und Psychologie

(November 2017) Da wird jeder Bildungsanbieter vor Neid erblassen: Wenn es um die Ausbildung der Leute geht, die die Staatsgewalt durchsetzen, hat die Polizei das absolute Monopol. Da kommt ihr kein Privater und auch keine ausländische Institution in die Quere. So sind es denn nicht weniger als  10'000 Kurstage, die die Kantonspolizei St.Gallen für ihre Mitarbeitenden jährlich organisiert, den grössten Teil natürlich in der Grundausbildung. Diese Grundausbildung führt sie zusammen mit den anderen Ostschweizer Polizeikorps und mit den Liechtensteinern in Amriswil durch. Bei der Polizeiausbildung gilt übrigens: Anstellung vor Ausbildung.

Dies und einiges mehr erfuhren die Teilnehmenden am letzten Quartalstreff des SVW anfangs November. Paul Rieser und Michael Wick, die Ausbildungsverantwortlichen der Kantonspolizei St.Gallen, zeigten denn auch, welche Auswahlkriterien angewendet werden, bis die richtige Polizistin oder der richtige Polizist gefunden ist. Ein komplexes Auswahlverfahren, von den Teilnehmenden des ersten Infoabends sind es am Schluss noch zehn Prozent, die dann tatsächlich die Schule in Amriswil antreten. Dass dabei das Alter nicht primäres Entscheidungsmerkmal ist, zeigt die Tatsache, dass immer häufiger auch Leute zur Ausbildung zugelassen werden, die den 40. Geburtstag bereits gefeiert haben.

Ebenfalls klar wurde an diesem Q-Treff: Der Beruf des Polizisten setzt eine breitgefächerte Ausbildung voraus. Polizistinnen brauchen juristisches Wissen ebenso wie psychologisches Geschick, und schiessen müssen sie auch noch können.
Dies alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, das sagte der Ausbildungsverantwortliche Paul Rieser: «Es gibt Leute, die bestens für diese Arbeit geeignet wären, und dann scheitern sie daran, dass sie zu viele Rechtschreibfehler machen».

 

Eine bewegte Schule und eine Schule mit Yoga

(September 2017) Im letzten Quartalstreff vom Donnerstag, 7. September, präsentierten sich zwei Persönlichkeiten, die mit innovativen Projekten in unserer Bildungswelt unterwegs sind. Da war zum einen die gebürtige St.Gallerin Edith Nemeth, die seit Jahren in Düsseldorf zuhause ist und dort Yoga anbietet - auch Yoga in der Schule. Wie sie Zwölfjährige mit ADHS zum Stillsitzen bringt, oder wie sie es schafft, die coolen Grossstadt-Teenager für die sanfte Kraft des Yoga zu gewinnen, erzählte sie an diesem Abend.

Ihr zur Seite stand Patrick Fust, der schon als aktiver Lehrer entdeckt hatte, wie stundenlanges Sitzen den Geist vernebelt, und der aus dieser Erkenntnis das «Bewegte Lernen» entwickelt hat, mit dem er nun durch Schulen tourt und in  Weiterbildungen Lehrerinnen und Lehrer für diese Lernmethode sensibilisiert.

Zwei Menschen mit ganz unterschiedlichen Angeboten, aber mit dem gleichen Ziel, erzählten in lockerer Gesprächsrunde, befragt von Felix Mätzler, SVW-Präsident und Leiter der Medienschule. Klar natürlich, dass die beiden nicht nur redeten, sondern in einfachen Müsterchen, die rund 25 Anwesenden selber in Bewegung brachten, respektive mit Yoga zu Ruhe und Klarheit.

Danke an die Cambridge English Languages School für das Gastrecht!

 

Erfolgreiche Tagung zur Bildung der Bildner

(Juni 2017) «Welche Bildung brauchen Bildner?» fragte die diesjährige Tagung des SVW vom 15. Juni ist St.Gallen. Referentin Bernadette Dilger, Professorin an der Uni St.Gallen, fragte in ihrem Inputreferat, wieviel die Ausbildung für Ausbildner zur Qualitätsverbesserung beitrage, und wieviel schlicht Marketingmassnahme - und wohl auch Geldmacherei - sei. Damit waren die Diskussionen in den Workshops lanciert. Von den rund 30 Teilnehmenden an der Tagung (viele aus dem Bereich Gesundheit und aus der Verwaltung), zeigten nicht wenige einen gewissen Überdruss an verordneter Bildung, und fragten sich auch, wie denn mit Fähigkeiten umgegangen werde, die nicht so einfach vermittelt werden können; etwa Empathie, aber auch Humor.
Christina Jacober, zuständig für die Ausbildung der Ausbildner beim Schweizerischen Verband für Weiterbildung, zeigte auf, dass auch dort die Diskussionen um das richtige Mass an Ausbildung geführt wird.
Doch nicht überall herrscht nur Verdruss gegenüber Weiterbildung und «Zertifizierungswahn». Das zeigte der Fachmann aus dem Bereich Netzelektrik in der Schlussdiskussion. Dort, wie auch anderswo in handwerklichen Berufen, wäre man  froh, man könnte die Ausbildner auch nur zu einer minimalen «Ausbildung der Ausbildner» verpflichten.

Hier finden Sie die Präsentation von Bernadette Dilger, Uni St.Gallen
Hier finden Sie die Präsentation von Christina Jacober, SVEB Zürich

Wir werden im Herbst ein Papier mit den wichtigsten Ergebnissen dieser Tagung veröffentlichen.

 

 

Claudia Longoni über hochbegabte Kinder und ihre Probleme

(Januar 2017) Das Leben ist für hochbegabte Kinder nicht ganz einfach. Das weiss Claudia Longoni aus eigener Erfahrung, mit ihren zwei hochbegabten Töchtern, die mittlerweile aber erwachsen sind, und damit in einem Alter, in dem sich Hochbegabung besser ausleben lässt, als wenn man als Zwölfjährige mit pubertierenden Kantischülern die Klasse teilen muss.
Vor rund 25 Interessierten und teilweise auch Betroffenen in St.Gallen (am 24. Januar 17) spickte Claudia Longoni ihren Fachvortrag immer wieder mit eigenen Erlebnissen als Mutter. So etwa, wenn sie erzählte wie unterschiedlich die Töchter mit ihren Fähigkeiten umgingen.
Zwei Dinge sind dem Chronisten vom Referat besonders in Erinnerung geblieben: Hochbegabung wird meistens erst «diagnostiziert», wenn Kinder mit dieser Eigenschaft negativ auffallen oder so sehr leiden, dass eine Abklärung nötig wird. Kein Wunder wird Hochbegabung gesellschaftlich denn auch immer wieder als Defizit wahrgenommen. Und zweitens: Das Vorurteil, hochbegabte Kinder seien dafür in ihrem Sozialverhalten zurückgeblieben, stimmt keineswegs generell. Der Eindruck entsteht halt einfach, wenn ein Fünfjähriger mit Gleichaltrigen lieber über Astrophysik diskutieren würde als über Bilderbücher.

Hier finden Sie die Folien zum Vortrag
Hier finden Sie den Text zu den Folien

 

Mit dem Weiterbildungsgesetz gibts neue Angebote und mehr Geld

(August 2016) Mit dem neuen Weiterbildungsgesetz, das 2017 in Kraft tritt, sollen schweizweit die Grundkompetenzen Erwachsener verbessert werden. Im Kanton St. Gallen wollen Bund und Kanton dafür bis 2020 gemeinsam etwa 1.8 Mio. Franken aufwenden.

An einer Informationsveranstaltung des SVW von Mitte August, erläuterte Hans-Peter Steiner vom Amt für Berufsbildung des Kantons St. Gallen die Grundzüge des neuen Weiterbildungsgesetzes, das im Januar 2017 in Kraft tritt. Ziel dieses Gesetzes ist die Förderung der Grundkompetenzen Erwachsener und des lebenslangen Lernens. Am Infoabend, an dem auch Vertreter grösserer Bildungsinstitutionen teilnahmen, erklärte Steiner, dass in den nächsten Jahren allein im Kanton St. Gallen knappe zwei Millionen Franken dafür ausgegeben werden. Zurzeit bildet der Kanton eine Projektgruppe, die bis Mitte nächsten Jahres bestimmt, wie diese Gelder aufgewendet werden sollen und wer davon profitiert. «St. Gallen gehört zu den Kantonen, die bereit sind, Pläne zur Förderung der Grundkompetenzen zu erstellen, andere Kantone machen das nicht», sagte Steiner am Infoabend. Vom Moderator Felix Mätzler nachgefragt, welche das denn konkret seien, meinte Steiner: «Alle Nachbarkantone». Im Falle des Weiterbildungsgesetzes ist es nun aber so, dass der Bund, Gelder die nicht abgeholt werden, denjenigen Kantonen überweist, die ihre Hausaufgaben machen. Da könnte also mittelfristig für die St. Galler noch mehr Bares herausschauen.

Am Infoabend in der Klubschule im Bahnhof St. Gallen wurde auch noch ein Pilotprojekt zur Förderung der Grundkompetenzen vorgestellt, das der Kanton St. Gallen zusammen mit dem SVEB und dem Weiterbildungszentrum Toggenburg WBZT umgesetzt hat. Eine mittelgrosse Firma aus Bütschwil verbesserte die Sprachkompetenz ihrer vielen fremdsprachigen Mitarbeiter mit Kursangeboten, die vor allem in der Firma und teilweise während der Arbeitszeit stattfanden. Fredi Gmür, Kursleiter am WBZT, der das Pilotprojekt vorstellte, nannte eine Erkenntnis des erstens Kurses: «Da kommen ganz neue Jobprofile für Weiterbildner auf uns zu».

 

Hitzige Debatten an der Tagung zur Migration

Bildungs- und Migrationsfachleute brachten ihre Thesen und stellten Forderungen...

(Juni 2016) Der St. Galler Verband für Weiterbildung hatte für seine Tagung 2016 ein Thema gewählt, das unter den Nägeln brennt. Das zeigte sich schon an der Zahl der Teilnehmenden. Mehr als 100 Personen trafen sich  am Donnerstag, 23. Juni, in St. Gallen und diskutierten über «Migration und Bildung – was wir bieten und was wir lernen können».
Während bei der Vorstellung verschiedener Menschen aus verschiedenen Kulturen mit verschiedenen Bildungsbiographien noch allgemeine Harmonie vorherrschte, zeigten sich erste ideologische Differenzen dann bereits in den Workshops. Etwa wenn es um die Frage ging, wann und wie weit sich Menschen in der Freiwilligenarbeit abgrenzen sollen, oder um die Frage, wie beispielsweise männlichen Migranten mit einem gar patriarchalen Frauenbild zu begegnen sei.
In der Schlussdiskussion offenbarten sich dann die Abgründe, die sich zwischen vielen Ausbildungs- und Migrationsfachleuten einerseits und den «Offiziellen» aus Politik und Wirtschaft andererseits auftun. Die Diskussion, an der David Ganz, Präsident Wirtschaftsregion St. Gallen und Regierungsrat Martin Klöti teilnahmen, war geprägt vom Nichtverstehen. So vermittelten die Bildungsleute zeitweise den Eindruck, das Migrationsproblem wäre allein schon gelöst, wenn nur der Kanton etwas mehr Geld locker machen würde. Davon liess sich Regierungsrat Klöti – zuständig für Integration und Gleichstellung im Kanton St. Gallen - nicht aus der Reserve locken, er verwies immer wieder auf die politischen Rahmenbedingungen im Kanton St. Gallen, die der Regierung keinen Spielraum liessen. Man konnte bei seinen Ausführungen den Eindruck gewinnen, die politische Agenda der St. Galler Regierung werde von der äusseren Rechten bestimmt.
                                                           ...und der Regierungsrat (rechts) beschwichtigte.

Hier finden Sie die Powerpoint-Präsentation unseres Gastreferenten, des Soziologen Franz Schultheis.

 

 

Bildung für Flüchtlinge: Es fehlt die Koordination

(Januar 2016) Flüchtlinge und ihre Ausbildung, das war das Thema des Quartalstreff des SVW, der  am 21. Januar in St. Gallen stattfand. Gäste waren Ursula Surber, Präsidentin vom Solidaritätshaus, und Karl Oss, Lehrgangsleiter der Integrationskurse beim Kanton St. Gallen.
Beide haben es in ihrem Alltag mit Flüchtlingen und ihrer Bildung zu tun, und beide kamen zum Schluss: Die Situation ist angespannt, so gross ist die Zahl der Menschen, die da kommen, und so unterschiedlich sind Kulturen und Bildungsbiographien. Karl Oss erlebt das mit Menschen im Teenageralter, manche sind sogenannte UMAs, also unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Der Kanton bietet den Jugendlichen Integrations- und Sprachkurse. Doch Oss macht sich nichts vor: «Eine siebzehnjährige Somalierin hat auch nach dem Kurs keine Chance, eine Lehrstelle zu finden, wohl nicht einmal eine Anlehre ist möglich.» Zu hoch sind Ansprüche unserer Berufswelt für einen Menschen aus einem Land mit einem völlig anderen sprachlichen, sozialen und schulischen Hintergrund.
Im Solihaus und in der dort angegliederten Schule Integra verkehren die Leute, die vom Staat keinerlei Förderung (mehr) erhalten: Menschen, die noch im Asylverfahren stecken und solche, die abgewiesen wurden. Ihnen bietet das Team von Ursula Surber ebenfalls Bildung, vor allem  Deutschkurse, aber auch etwa Nähkurse. Ausserdem gibt es im Solihaus eine Tagesstruktur: «Da wird gekocht, da wird gegessen, da kommen Menschen zusammen.»
Einig waren sich Ursula Surber und Karl Oss im von SVW-Präsident Felix Mätzler geleiteten Gespräch in einem weiteren Punkt: Es fehlt nicht an Bildungsangeboten für Flüchtlinge, und auch das Geld wäre da (der Kanton St. Gallen verdient an seinen Flüchtlingen). Aber es fehlt eine Stelle, die eine Übersicht über das Problem hat und die die Angebote koordiniert.

Nach dem Q-Treff, beim Apéro im Solihaus, wurde viel diskutiert (Foto A. Brugger)

 

Q-Treff «Hochsensibel» zog 60 Interessierte an

(September 2015) Sind Sie hochsensibel?» fragten wir in der Einladung zum Q-Treff vom 15. September 2015. Mehr als 60 Personen wollten die Frage beantwortet haben, und mehr als die Hälfte von ihnen war nicht SVW-Mitglied, sondern hatte in einer kleinen Notiz im St. Galler Tagblatt von diesem Q-Treff erfahren.

Dass wir mit dem Thema im Trend liegen, bestätigte denn auch Brigitte Küster, Leiterin des Instituts für Hochsensibilität in Altstätten (SG). Sie wurde während rund einer Stunde vom Journalisten und SVW-Präsidenten Felix Mätzler interviewt und erzählte dabei als Fachfrau, aber auch als Betroffene, was Hochsensibilität im Alltag bedeutet.
So ist typisch für Hochsensible, dass ihre «Komfortzone» weniger ausgeprägt ist als bei anderen Menschen. Das kann dann etwa bedeuten, dass Hochsensible bereits von der Hintergrundmusik im Warenhaus so genervt werden, dass sie ein solches fortan meiden. Auch hallen bei ihnen – vor allem unangenehme – Erfahrungen länger nach als bei weniger sensiblen Leuten.
Fachfrau Brigitte Küster zeigte Möglichkeiten, wie man sich als Hochsensible oder Hochsensibler Oasen der Ruhe im hektischen Alltag schaffen kann. Sie mahnte aber auch, sich von der Hochsensibilität nicht allein beherrschen zu lassen.

 

SVW-Tagung mit Clown Pello: Humor ist eine Haltung

(Juni 2015) Die diesjährige Tagung des SVW gestaltete Clown Pello im Schloss Wartensee ob dem Bodensee. Pellos Thema war der «Humor in der Weiterbildung».
Wer nun für diesen Tag endlose Diskussionen über Humor oder gar gruppendynamische Prozesse erwartet hatte, musste enttäuscht werden. Pello, ganz Clown, machte eine rund achtstündige Show, vor - und mit - Publikum. Dabei zeigte er in Dutzenden von Beispielen, wie man mit Humor, mit dem Spiel von Lockerheit und Spannung, die Teilnehmenden begeistern und für sich, den Unterricht und ein Thema gewinnen kann.
Humor ist eine Haltung, das kam klar zum Vorschein bei Pello, der sich auch nicht scheute, sein Publikum zu provozieren: «Dein Lachen ist so schön, warum versteckst du es hinter der Hand?»
Rund 30 Personen folgten an diesem Donnerstag anfangs Juni Pello und dem SVW ins märchenhafte Ambiente des Schlosshotels Wartensee. Und wer Pello und seine Botschaft begriffen hatte, wusste am Schluss: Humor bedeutet nicht Witze zu erzählen, es braucht dafür auch keine rote Nase. Humor bedeutet in erster Linie, die Menschen gern zu haben und ernst zu nehmen. Pello hat das vorgelebt.

Mit Humor Menschen für ein Thema gewinnen...

...und zur Entfaltung bringen.