News vom St. Galler Verband für Weiterbildung.


Hitzige Debatten an der Tagung zur Migration

Bildungs- und Migrationsfachleute brachten ihre Thesen und stellten Forderungen...

Der St. Galler Verband für Weiterbildung hatte für seine Tagung 2016 ein Thema gewählt, das unter den Nägeln brennt. Das zeigte sich schon an der Zahl der Teilnehmenden. Mehr als 100 Personen trafen sich  am Donnerstag, 23. Juni, in St. Gallen und diskutierten über «Migration und Bildung – was wir bieten und was wir lernen können».
Während bei der Vorstellung verschiedener Menschen aus verschiedenen Kulturen mit verschiedenen Bildungsbiographien noch allgemeine Harmonie vorherrschte, zeigten sich erste ideologische Differenzen dann bereits in den Workshops. Etwa wenn es um die Frage ging, wann und wie weit sich Menschen in der Freiwilligenarbeit abgrenzen sollen, oder um die Frage, wie beispielsweise männlichen Migranten mit einem gar patriarchalen Frauenbild zu begegnen sei.
In der Schlussdiskussion offenbarten sich dann die Abgründe, die sich zwischen vielen Ausbildungs- und Migrationsfachleuten einerseits und den «Offiziellen» aus Politik und Wirtschaft andererseits auftun. Die Diskussion, an der David Ganz, Präsident Wirtschaftsregion St. Gallen und Regierungsrat Martin Klöti teilnahmen, war geprägt vom Nichtverstehen. So vermittelten die Bildungsleute zeitweise den Eindruck, das Migrationsproblem wäre allein schon gelöst, wenn nur der Kanton etwas mehr Geld locker machen würde. Davon liess sich Regierungsrat Klöti – zuständig für Integration und Gleichstellung im Kanton St. Gallen - nicht aus der Reserve locken, er verwies immer wieder auf die politischen Rahmenbedingungen im Kanton St. Gallen, die der Regierung keinen Spielraum liessen. Man konnte bei seinen Ausführungen den Eindruck gewinnen, die politische Agenda der St. Galler Regierung werde von der äusseren Rechten bestimmt.
                                                           ...und der Regierungsrat (rechts) beschwichtigte.

Hier finden Sie die Powerpoint-Präsentation unseres Gastreferenten, des Soziologen Franz Schultheis.

 

 

25. HV des SVW am 25. Februar in St. Gallen

Am 25. Februar 2016 konnte SVW-Präsident Felix Mätzler die Teilnehmenden zur 25. Hauptversammlung des SVW begrüssen, und zwar einmal mehr im Hotel Dom in St. Gallen, wo die Teilnahme mit einem guten Nachtessen vergolten wurde. Anders als in den zwei Jahren davor, nahmen die Mitglieder eher spärlich an der HV teil, die auch inhaltlich keine grossen Wellen warf.

Was an der HV diskutiert und beschlossen wurde, steht hier im Protokoll.

 

 

Bildung für Flüchtlinge: Es fehlt die Koordination

Flüchtlinge und ihre Ausbildung, das war das Thema des Quartalstreff des SVW, der  am 21. Januar in St. Gallen stattfand. Gäste waren Ursula Surber, Präsidentin vom Solidaritätshaus, und Karl Oss, Lehrgangsleiter der Integrationskurse beim Kanton St. Gallen.
Beide haben es in ihrem Alltag mit Flüchtlingen und ihrer Bildung zu tun, und beide kamen zum Schluss: Die Situation ist angespannt, so gross ist die Zahl der Menschen, die da kommen, und so unterschiedlich sind Kulturen und Bildungsbiographien. Karl Oss erlebt das mit Menschen im Teenageralter, manche sind sogenannte UMAs, also unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Der Kanton bietet den Jugendlichen Integrations- und Sprachkurse. Doch Oss macht sich nichts vor: «Eine siebzehnjährige Somalierin hat auch nach dem Kurs keine Chance, eine Lehrstelle zu finden, wohl nicht einmal eine Anlehre ist möglich.» Zu hoch sind Ansprüche unserer Berufswelt für einen Menschen aus einem Land mit einem völlig anderen sprachlichen, sozialen und schulischen Hintergrund.
Im Solihaus und in der dort angegliederten Schule Integra verkehren die Leute, die vom Staat keinerlei Förderung (mehr) erhalten: Menschen, die noch im Asylverfahren stecken und solche, die abgewiesen wurden. Ihnen bietet das Team von Ursula Surber ebenfalls Bildung, vor allem  Deutschkurse, aber auch etwa Nähkurse. Ausserdem gibt es im Solihaus eine Tagesstruktur: «Da wird gekocht, da wird gegessen, da kommen Menschen zusammen.»
Einig waren sich Ursula Surber und Karl Oss im von SVW-Präsident Felix Mätzler geleiteten Gespräch in einem weiteren Punkt: Es fehlt nicht an Bildungsangeboten für Flüchtlinge, und auch das Geld wäre da (der Kanton St. Gallen verdient an seinen Flüchtlingen). Aber es fehlt eine Stelle, die eine Übersicht über das Problem hat und die die Angebote koordiniert.

Nach dem Q-Treff, beim Apéro im Solihaus, wurde viel diskutiert (Foto A. Brugger)

 

Q-Treff «Hochsensibel» zog 60 Interessierte an

Sind Sie hochsensibel?» fragten wir in der Einladung zum Q-Treff vom 15. September 2015. Mehr als 60 Personen wollten die Frage beantwortet haben, und mehr als die Hälfte von ihnen war nicht SVW-Mitglied, sondern hatte in einer kleinen Notiz im St. Galler Tagblatt von diesem Q-Treff erfahren.

Dass wir mit dem Thema im Trend liegen, bestätigte denn auch Brigitte Küster, Leiterin des Instituts für Hochsensibilität in Altstätten (SG). Sie wurde während rund einer Stunde vom Journalisten und SVW-Präsidenten Felix Mätzler interviewt und erzählte dabei als Fachfrau, aber auch als Betroffene, was Hochsensibilität im Alltag bedeutet.
So ist typisch für Hochsensible, dass ihre «Komfortzone» weniger ausgeprägt ist als bei anderen Menschen. Das kann dann etwa bedeuten, dass Hochsensible bereits von der Hintergrundmusik im Warenhaus so genervt werden, dass sie ein solches fortan meiden. Auch hallen bei ihnen – vor allem unangenehme – Erfahrungen länger nach als bei weniger sensiblen Leuten.
Fachfrau Brigitte Küster zeigte Möglichkeiten, wie man sich als Hochsensible oder Hochsensibler Oasen der Ruhe im hektischen Alltag schaffen kann. Sie mahnte aber auch, sich von der Hochsensibilität nicht allein beherrschen zu lassen.