News vom St. Galler Verband für Weiterbildung.


Ausbildung bei der Polizei: Schiessen und Psychologie

Da wird jeder Bildungsanbieter vor Neid erblassen: Wenn es um die Ausbildung der Leute geht, die die Staatsgewalt durchsetzen, hat die Polizei das absolute Monopol. Da kommt ihr kein Privater und auch keine ausländische Institution in die Quere. So sind es denn nicht weniger als  10'000 Kurstage, die die Kantonspolizei St.Gallen für ihre Mitarbeitenden jährlich organisiert, den grössten Teil natürlich in der Grundausbildung. Diese Grundausbildung führt sie zusammen mit den anderen Ostschweizer Polizeikorps und mit den Liechtensteinern in Amriswil durch. Bei der Polizeiausbildung gilt übrigens: Anstellung vor Ausbildung.

Dies und einiges mehr erfuhren die Teilnehmenden am letzten Quartalstreff des SVW anfangs November. Paul Rieser und Michael Wick, die Ausbildungsverantwortlichen der Kantonspolizei St.Gallen, zeigten denn auch, welche Auswahlkriterien angewendet werden, bis die richtige Polizistin oder der richtige Polizist gefunden ist. Ein komplexes Auswahlverfahren, von den Teilnehmenden des ersten Infoabends sind es am Schluss noch zehn Prozent, die dann tatsächlich die Schule in Amriswil antreten. Dass dabei das Alter nicht primäres Entscheidungsmerkmal ist, zeigt die Tatsache, dass immer häufiger auch Leute zur Ausbildung zugelassen werden, die den 40. Geburtstag bereits gefeiert haben.

Ebenfalls klar wurde an diesem Q-Treff: Der Beruf des Polizisten setzt eine breitgefächerte Ausbildung voraus. Polizistinnen brauchen juristisches Wissen ebenso wie psychologisches Geschick, und schiessen müssen sie auch noch können.
Dies alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, das sagte der Ausbildungsverantwortliche Paul Rieser: «Es gibt Leute, die bestens für diese Arbeit geeignet wären, und dann scheitern sie daran, dass sie zu viele Rechtschreibfehler machen».

 

Eine bewegte Schule und eine Schule mit Yoga

Im letzten Quartalstreff vom Donnerstag, 7. September, präsentierten sich zwei Persönlichkeiten, die mit innovativen Projekten in unserer Bildungswelt unterwegs sind. Da war zum einen die gebürtige St.Gallerin Edith Nemeth, die seit Jahren in Düsseldorf zuhause ist und dort Yoga anbietet - auch Yoga in der Schule. Wie sie Zwölfjährige mit ADHS zum Stillsitzen bringt, oder wie sie es schafft, die coolen Grossstadt-Teenager für die sanfte Kraft des Yoga zu gewinnen, erzählte sie an diesem Abend.

Ihr zur Seite stand Patrick Fust, der schon als aktiver Lehrer entdeckt hatte, wie stundenlanges Sitzen den Geist vernebelt, und der aus dieser Erkenntnis das «Bewegte Lernen» entwickelt hat, mit dem er nun durch Schulen tourt und in  Weiterbildungen Lehrerinnen und Lehrer für diese Lernmethode sensibilisiert.

Zwei Menschen mit ganz unterschiedlichen Angeboten, aber mit dem gleichen Ziel, erzählten in lockerer Gesprächsrunde, befragt von Felix Mätzler, SVW-Präsident und Leiter der Medienschule. Klar natürlich, dass die beiden nicht nur redeten, sondern in einfachen Müsterchen, die rund 25 Anwesenden selber in Bewegung brachten, respektive mit Yoga zu Ruhe und Klarheit.

Danke an die Cambridge English Languages School für das Gastrecht!

 

Erfolgreiche Tagung zur Bildung der Bildner

«Welche Bildung brauchen Bildner?» fragte die diesjährige Tagung des SVW vom 15. Juni ist St.Gallen. Referentin Bernadette Dilger, Professorin an der Uni St.Gallen, fragte in ihrem Inputreferat, wieviel die Ausbildung für Ausbildner zur Qualitätsverbesserung beitrage, und wieviel schlicht Marketingmassnahme - und wohl auch Geldmacherei - sei. Damit waren die Diskussionen in den Workshops lanciert. Von den rund 30 Teilnehmenden an der Tagung (viele aus dem Bereich Gesundheit und aus der Verwaltung), zeigten nicht wenige einen gewissen Überdruss an verordneter Bildung, und fragten sich auch, wie denn mit Fähigkeiten umgegangen werde, die nicht so einfach vermittelt werden können; etwa Empathie, aber auch Humor.
Christina Jacober, zuständig für die Ausbildung der Ausbildner beim Schweizerischen Verband für Weiterbildung, zeigte auf, dass auch dort die Diskussionen um das richtige Mass an Ausbildung geführt wird.
Doch nicht überall herrscht nur Verdruss gegenüber Weiterbildung und «Zertifizierungswahn». Das zeigte der Fachmann aus dem Bereich Netzelektrik in der Schlussdiskussion. Dort, wie auch anderswo in handwerklichen Berufen, wäre man  froh, man könnte die Ausbildner auch nur zu einer minimalen «Ausbildung der Ausbildner» verpflichten.

Hier finden Sie die Präsentation von Bernadette Dilger, Uni St.Gallen
Hier finden Sie die Präsentation von Christina Jacober, SVEB Zürich

Wir werden im Herbst ein Papier mit den wichtigsten Ergebnissen dieser Tagung veröffentlichen.